24. April 2026
# Cannabissorten verstehen: Indica, Sativa und Hybride
Im medizinischen Kontext begegnen Patienten häufig den Begriffen Indica, Sativa und Hybride. Diese Einteilung stammt aus der Botanik — für die Therapieplanung ist jedoch das Cannabinoid- und Terpenprofil entscheidender.
## Indica vs. Sativa: Was steckt dahinter?
**Cannabis indica** wird klassisch mit sedierenden, körperberuhigenden Effekten assoziiert. Die Pflanzen sind kompakter und harzreicher, die Blütezeit kürzer.
**Cannabis sativa** wird mit aktivierenden, stimmungsaufhellenden Effekten in Verbindung gebracht. Pflanzen wachsen höher und haben eine längere Wachstumsphase.
**Hybride** sind Kreuzungen beider Typen und dominieren heute den Markt.
## Warum diese Einteilung allein nicht ausreicht
Die botanische Klassifikation sagt wenig über die tatsächliche Wirkung aus. Entscheidend sind:
### Das Cannabinoid-Profil
- **THC-Gehalt** bestimmt die psychoaktive Intensität, Analgesie und antiemetische Wirkung
- **CBD-Gehalt** moduliert die THC-Wirkung, wirkt anxiolytisch und entzündungshemmend
- Das THC:CBD-Verhältnis ist der wichtigste Steuerungsparameter in der Therapie
### Das Terpenprofil und der Entourage-Effekt
Terpene sind aromatische Verbindungen, die die Wirkung von Cannabinoiden modulieren:
- **Myrcen** — sedierend, muskelrelaxierend
- **Limonen** — stimmungsaufhellend, anxiolytisch
- **Beta-Caryophyllen** — entzündungshemmend, bindet an CB2-Rezeptoren
- **Linalool** — beruhigend, analgetisch
- **Pinen** — atemwegsöffnend, konzentrationsfördernd
## Praxistipp: Titrierung vor Sortenauswahl
Der Wechsel auf eine neue Sorte sollte immer mit einer niedrigen Dosis beginnen. Die individuelle Reaktion auf Terpene und Cannabinoid-Profile variiert erheblich. Was für einen Patienten gut wirkt, kann für einen anderen ungeeignet sein. Ihr Arzt und Ihre Apotheke können bei der Auswahl beraten.